
Die Ausweitung der engen deutsch-italienischen Beziehungen auf Bereiche der beruflichen Bildung leistet einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung der beruflichen Bildung beider Länder.
Die deutsch-italienische Zusammenarbeit in der Berufsbildung reicht bis 2012 zurück. Im Projekt (2013–2019) wurden Strukturen an der AHK Mailand geschaffen, um duale Ausbildung in ausgewählten Branchen zu erproben. Mit dem Projekt Qualit konnten über 100 betriebliche Ausbilder für die praktische Ausbildung qualifiziert werden. Die aktuelle Absichtserklärung von 2024 stellt die Zusammenarbeit in den Dienst von Digitalisierungs- und -Initiativen. Das Projekt bündelt sechs regionale Netzwerke, die an spezifischen Themen wie klimafreundlichem Weinanbau oder digitalisierten Ausbildungsmodellen arbeiten. Deutschland bringt hier insbesondere Expertise in Curriculumentwicklung und ein, wodurch italienische Partner ihre Ausbildungssysteme auf neue Anforderungen ausrichten.
Grundlage der Kooperation
Grundlage der Kooperation bildet eine gemeinsame Absichtserklärung über die Zusammenarbeit in der Berufsbildung sowie in der Arbeitsmarktpolitik vom 12. November 2012, welche in den Jahren 2016, 2019 und 2024 verlängert wurde. Zusätzlich ist Italien ein zentraler Partner im „6-Länder Memorandum“ aus dem Jahr 2012, welches zur Zusammenarbeit sechs europäischer Länder im Bereich der beruflichen Bildung unterzeichnet worden ist.
Hintergrund beider Absichtserklärungen war vor allem auch das Anliegen, durch die Reform der beruflichen Bildung in Richtung Arbeitsmarkt einen Beitrag zur Reduzierung der Jugendarbeitslosigkeit zu leisten. Diese war als Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008-2010 in vielen europäischen Ländern deutlich angestiegen. Nunmehr hat sich die Kooperation zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit entwickelt. Durch die Entwicklung bedarfsgerechter Kooperationsagenden werden in beiden Ländern Lernprozesse angestoßen und die Berufsbildung verbessert.
ConnActions
(August 2022 – Juli 2026)
Das von der deutsch-italienischen Handelskammer (AHK Italien) koordinierte Vorhaben hat zum Ziel, die bilaterale Berufsbildungszusammenarbeit zwischen Deutschland und Italien auf lokaler Ebene (z.B. Stadt/Gemeinde) zu intensivieren. Dafür wurden sechs modellhafte Netzwerke zwischen deutschen und italienischen Stakeholdern (z.B. Vertreter/Innen von Schulen, Unternehmen, Kammern und sonstigen Verbänden, Gewerkschaften) initiiert und werden nun langfristig etabliert . Im Zentrum des Projektes stehen die Netzwerkpartner, die langfristig und an einem selbst gewählten Berufsbildungsthema zusammenarbeiten. Damit dies gelingt, wurde ein strategisch angelegter „-Prozess“ vorgelagert, der von Berufsbildungsstakeholdern und Wirtschafts- und Sozialpartner aus beiden Ländern unterstützt wurde. Die Netzwerke haben das Ziel, innovative Pilotlösungen zu zentralen Themen der deutsch-italienischen Berufsbildungszusammenarbeit hervorzubringen Die sechs Modellnetzwerke sind:
DigITALIA
(November 2018 – April 2022)
Die AHK Italien entwickelte in der ersten Phase des Projektes gemeinsam mit italienischen und deutschen Partnern eine nachfrageorientierte Qualifizierungslandschaft im Bereich Industrie 4.0 (Berufsbild Mechatroniker – ). In einer zweiten Phase wurde darauf aufgebaut, indem Digitalisierung nicht nur als Inhalt von Aus- und Weiterbildung, sondern auch als didaktisches Element in den Blick genommen wurde. Daher steht in dieser verlängerten Phase des Projektes der Einsatz von -Technologie in verschiedenen Anwendungsfeldern im Mittelpunkt, beispielsweise auch im Bereich der Berufsorientierung in MINT-Berufen. Darüber hinaus wurde – wie auch in der bisherigen Durchführungszeit – das Thema höhere Berufsbildung eine Rolle spielen indem Übergangsmöglichkeiten von den zweijährigen Bildungsgängen der „ITS“-Fachschulen zu Hochschulen transparent gemacht wurden. Dabei sollen angelehnt an Modelle des dualen Studiums in Deutschland Perspektiven für die Anschlussfähigkeit von beruflichen Bildungswegen der IST-Fachschulen (EQF Level 5) zu akademischen Bildungswegen (EQF Level 6ff) aufgezeigt wurden. Damit wurde auch ein Beitrag zur Durchlässigkeit innerhalb des italienischen (Berufs-)Bildungssystems geleistet
Qualit
(März 2018 – April 2021)
Innerhalb des Projektes wurde der Aufbau eines nationalen Schulungs- und Qualifizierungssystems für italienische Tutoren unterstützt, sowohl in der Schule, als auch im Betrieb. Dabei wurden die Tutoren für die erfolgskritischen Faktoren der beruflichen Bildung sensibilisiert, informiert, nachhaltig qualifiziert und als Multiplikatoren und Netzwerker im Sinne einer nachhaltigen beruflichen Bildungsstruktur gewonnen. Es wurden Qualifizierungen mit abschließender Prüfung entwickelt und durchgeführt. Maßgebliche italienische Partner waren das Ministerium für Unterricht sowie regionale Bildungsämter aber auch Betriebe und Schulen. Das Projekt wurde von deutscher Seite aus von der DIHK-Gesellschaft für berufliche Bildung in Zusammenarbeit mit der Hochschule für angewandtes Management Ismaning durchgeführt. Es war aber auch sehr eng an die bilaterale Kooperation des BMBF mit den italienischen Partnerministerien angegliedert, in Italien waren sämtliche relevante Partner, insb. auch die regionalen Schulämter aktiv bei der Umsetzung beteiligt.
MSE-VET Italy
(April 2021 – April 2022)
Ziel des Projekts war ein sozialpartnerschaftlich getragenes Unterstützungsmodell für ausbildende italienische Kleinst- und Kleinunternehmen. Das Projekt werde durch die inab Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft im Berufsfortbildungswerk des DGB und das Handwerksbildungszentrum Brackwede durchgeführt. Das Vorhaben setzte auf Kapazitäten und Handlungsmodellen auf, die in dem BMBF-Strategieprojekt „“ beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) zur Zusammenarbeit der Gewerkschaften in Partnerländern – unter anderem in Italien – entwickelt und erprobt wurden. Ausgangspunkt war ein Austausch von Wissen, Erfahrungen und guter Praxis zwischen italienischen und deutschen Gewerkschaften, Handwerksorganisationen, Unternehmensverbänden und Berufsbildungsträgern. Am Ende entstand ein überregionales Rahmenmodell für Ausbildung in KKU als Handlungsempfehlung.