Griechenland

Flagge Griechenlands
© DLR Projektträger

Deutschland und Griechenland arbeiten im Bereich berufliche Bildung und Arbeitsmarktorientierung seit über 10 Jahren erfolgreich zusammen. Dabei stehen aktuell Themen wie der Sozialpartnerdialog in der beruflichen Bildung im Vordergrund.

Die deutsch-griechische Berufsbildungskooperation begann 2012. Im Rahmen von VETnet (2013–2019) wurde die AHK Athen dabei unterstützt, eigene Kapazitäten für die Berufsbildung aufzubauen – einschließlich Koordinierung, Qualitätssicherung und Pilotprojekten in Zusammenarbeit mit griechischen Unternehmen. Darauf folgte GRAEDUCATION (ab 2017), das ein Modell für moderne Berufsorientierung entwickelte, das inzwischen an über 40 Schulen angewandt wird. Das aktuelle Projekt Future4VET erweitert diese Ansätze durch digitale Lernmodule und Maßnahmen zur Stärkung der Sozialpartnerschaft. Ein politischer Meilenstein war die Novellierung des Berufsbildungsgesetzes 2020, die erstmals duale Pilotprojekte rechtlich absicherte. Ergänzt wird die Kooperation durch den nationalen Berufsbildungspreis 2024 im Rahmen von VET_Excellence, der Unternehmen und Auszubildende für ihr Engagement auszeichnet. Damit umfasst die Zusammenarbeit gesetzliche Grundlagen, Berufsorientierung, Digitalisierung und Sozialpartnerschaft gleichermaßen.

Grundlage der Kooperation

Im Dezember 2012 haben die Bildungsministerien beider Länder erstmalig einen deutsch-griechischen Kooperationsvereinbarung zur Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung unterzeichnet. Darüber hinaus ermöglichte ein bilaterales Memorandum of Understanding, das im Februar 2017 mit einer Laufzeit von vier Jahren erneuert wurde, die gemeinsame Arbeit. Seitdem wurden die Abkommen stetig erneuert und mit bilateral abgestimmten Arbeitsplänen umgesetzt. Somit fördern die Bildungsministerien beider Länder Initiativen und Projekte, die innovative Beiträge zu den griechischen Reformvorhaben in der Berufsbildung leisten.

VET_Excellence

(August 2023 bis Juli 2024)

Ziel des Verbundprojektes VET_Excellence war es, in den drei Ländern Mexiko, Griechenland und Lettland ein Modell zur Verleihung eines Berufsbildungspreises für berufliche Bildung zu entwickeln, zu erproben und zu verstetigen. Damit unterstützte das Bildungsministerium die drei Partnerländer bei ihren Berufsbildungsreformen und leistet gleichzeitig einen Beitrag zur Verbesserung des Ansehens einer qualitativ hochwertigen und praxisorientierten beruflichen Bildung.

Die Deutsch-Griechische Industrie- und Handelskammer (AHK Griechenland) legte bei dem Berufsbildungspreis für Griechenland einen besonderen Fokus auf die Lernorte Berufsschule und Unternehmen. Der Berufsbildungspreis wurde bei der T.I.F. 2024, der International Fair in Thessaloniki, im September 2024 verliehen und wird in 2026 weitergeführt.

Future4VET

(Juli 2022 – Dezember 2025)

Das Vorhaben „Future4VET“ knüpft an die dt.-gr. Absichtserklärungen seit 2012 an und strebt die Ausgestaltung, Umsetzung und Intensivierung der hier formulierten Ziele der deutsch-griechischen Berufsbildungszusammenarbeit an. So wird der sozialpartnerschaftliche Dialog auf lokaler und nationaler Ebene befördert und es werden gemeinsam innovative Berufsbildungs- und Ausbildungsformate bzgl. der Megatrends Greening und Digitalisierung entwickelt. Das Projekt führt direkt den im Strategieprojekt Unions4VET begonnenen Dialog zwischen deutschen und griechischen Gewerkschaftsorganisationen fort und entwickelt Dialogformate ko-kreativ weiter. Besonderer Fokus dieser Formate liegt auf Wissenstransfer, Capacity Building sowie direkter Unterstützung für griechische Regionalbeiräte, die in ihrer beratenden Funktion zur Berufsbildung gestärkt und qualifiziert werden sollen. Darüber hinaus wurde eine griechische Arbeitsgruppe gegründet, die sich mit dem Prozess der Einführung neuer Ausbildungen für Ausbilder auseinandersetzt. Hier wird auf den Ergebnissen des Projektes GRAEDUCTION aufgebaut und insbesondere der Kompetenzbedarf neuer Märkte in den Fokus genommen. Es sollen der Praxisbezug der Berufsbildung gestärkt sowie deren Attraktivität gesteigert werden.

GRAEDUCATION

(Juni 2017 – März 2022)

Das Projekt GRAEDUCATION wurde im Rahmen der Förderinitiative zur „Internationalisierung der Berufsbildung“ seit 01.06.2017 gefördert und es hatte das Ziel, „grüne Berufe“ gemeinsam mit griechischen Partnern zu entwickeln und in Griechenland zu erproben. In der ersten Phase des Projektes wurde durch den ko-kreativen Ansatz ein innovatives Curriculum für die Ausbildung zur Elektrofachkraft entwickelt. Dieses ist in Griechenland und in Deutschland ein Novum. Es wurde gemeinsam mit zuständigen staatlichen Stellen und Unternehmen in Griechenland seit September 2018 im Rahmen pilothafter Ausbildungsgänge durchgeführt. Hierzu wurden zudem Berufsschullehrkräfte und betriebliche Ausbilderinnen und Ausbilder weitergebildet. Das Projekt des FIAP e.V., des Bildungszentrums der Handwerkskammer Münster und des Wissenschaftsparks Gelsenkirchen in enger Kooperation mit der Deutsch-Griechischen Industrie- und Handelskammer (AHK), mit der griechischen Arbeitsverwaltung OAED und dem griech. Bildungsinstitut IEP, hat zudem ein Marketingkonzept für die erneuerte Ausbildung auf der Grundlage des in Deutschland existierenden „Energy Labs“ entwickelt. Dies wird für eine frühe Berufsorientierung in den allgemeinbildenden Schulen genutzt, indem früh in der Lernbiographie – auch mit der Durchführung von „Girls´ Days“ – Interesse für technische Umweltberufe, insbesondere mit Fokus auf weibliche Auszubildende, geweckt wird.

UNIONS4VET

(Juni 2015 – fortlaufend)

Das Strategieprojekt „UNIONS4VET“ beim DGB und seinem Fortbildungswerk bfw hatte zum Ziel, die Kooperation zu den Gewerkschaften in den fünf EU-Ländern mit bestehenden BMBF-Initiativen zur Berufsbildungszusammenarbeit (Portugal, Italien, Griechenland, Slowakei und Lettland) aufzubauen und die Rolle der Arbeitnehmerorganisationen in der nationalen wie europäischen Berufsbildung zu stärken.

Am 29.11.2016 fand ein internationaler Expertenworkshop im Rahmen von UNIONS4VET in Athen statt, um gemeinsam mit Gewerkschaftern aus Italien, Griechenland und Portugal Handlungsmodelle zu diskutieren, wie Gewerkschaften konstruktiv an Berufsbildungsreformen mitwirken können. Im Rahmen der Tagung ist es den griechischen Gewerkschaftsvertretern (gewerkschaftl. Forschungsinstitut INE GSEE) zudem gelungen, auch Vertreter von Unternehmen und Arbeitgeberorganisationen in einen konstruktiven Fachaustausch zum Thema Berufsbildungsreform und sozialpartnerschaftliche Partizipation einzubinden. Verschiedene Follow-Up-Aktivitäten sind in den Folgejahren umgesetzt worden, bspw. unterstützte UNIONS4VET das Projekt MENDI dabei, partnerschaftliche Kontakte zu den griechischen Gewerkschaften aufzubauen. Das Verhältnis zwischen den Gewerkschaften und Betrieben der Gastwirtschaft ist traditionell belastet. UNIONS4VET organisierte regelmäßig Tagungen zum Sozialpartnerdialog in der Berufsbildung in europäischen Kooperationsländern – dabei sind stets auch Vertreterinnen und Vertreter griechischer Arbeitnehmerorganisationen beteiligt worden.

Interim-Griechenland

(Oktober 2019 – Dezember 2020)

Ziel des Vorhabens war es, die Grundlagen für ein mögliches nachfolgendes Implementierungsprojekt zur Weiterentwicklung dualer Ansätze in der griechischen Berufsbildung mit dem Schwerpunkt Bahn-/Logistikberufe zu legen. Dabei wurde auf Handlungsmodellen, Instrumenten und Netzwerken zurückliegender Fördervorhaben – dies sind vor allem „MENDI“ (Berufsausbildung im Hotel- und Gastgewerbe) und „VETnet“ (Berufsausbildung in technischen Berufen) – aufgesetzt. Im Ergebnis wurden innovative Beratungsformate für ein gezieltes Capacity Buildung zur dualen Berufsbildung für Unternehmen, verfasste Wirtschaft, Arbeitnehmerorganisationen, öffentliche Träger sowie für Eltern und Jugendliche entwickelt und erprobt. Dabei wurde mit dem Einsatz neuer, digitaler Technologien im Rahmen der Fachkommunikation experimentiert. Am Beispiel Bahn-/Logistikberufe sowie Lebensmitteltechnik/Brauer/Mälzer wurden Curricula systematisch angepasst und mit den relevanten Partnern auf deutscher und griechischer Seite weiterentwickelt, und es wurde eine weitere Systematisierung und Weiterentwicklung des Durchführungsprozesses für Prüfungen angestrebt. Netzwerke mit Organisationen des öffentlichen und privaten Sektors wurden ausgebaut, und schließlich wurde ein Weißbuch zur dualen Berufsbildung in Griechenland erstellt, das zur gezielten Fachkommunikation im Rahmen der deutsch-griechischen Berufsbildungszusammenarbeit dienen soll.

VETnet

(Oktober 2013 – September 2018)

Das ehem. BMBF förderte die Auslandshandelskammer (AHK) Athen (als eine von insgesamt elf AHKs weltweit) mit dem Projekt VETnet zum Ausbau von Berufsbildungskapazitäten. Es wurden gemeinsam mit Unternehmen Curricula für die Berufe „Kraftfahrzeugmechatronik“, „Elektronik Geräte und Systeme“ sowie „Industriekaufmann/ Industriekauffrau“ entwickelt. Parallel zum betrieblichen Teil hat die AHK für den berufsschulischen Part die Kooperation mit der griechischen Arbeitsagentur (OAED) intensiviert. Zudem ist die Einführung der „Ausbildung der Ausbildenden“ (AdA-international) pilothaft erfolgt. Technische Ausbildungsformate „Kraftfahrzeugmechatroniker/ Kraftfahrzeugmechatronikerin“ und „Elektroniker/ Elektronikerin für Geräte und Systeme“ werden seit 27. März 2017 in Kooperation mit dem griechischen Eisenbahn-Dienstleister ROSCO und den OAED-Berufsschulen durchgeführt. Im September 2017 hat die griechische Bahn OSE und die ROSCO im Projekt VETnet in Thessaloniki einen weiteren technischen Berufsausbildungsgang gestartet.

MEDI – Mentoring Dual International

(September 2013 – August 2018)

Im Rahmen des vom ehem. BMBF ko-finanzierten Projektes wurde ein Modell einer dualen Ausbildung in Griechenland für eine hochwertige, praxisorientierte Ausbildung in den Berufen „Koch/ Köchin“, „Restaurantfachmann/-frau“ und „Hotelfachmann/Hotelfachfrau“ pilotiert. Beteiligt waren die zust. griechischen Ministerien (Bildung, Arbeit, Tourismus), die Arbeitsverwaltung OAED sowie ca. 60 griechische Unternehmen an den Standorten Athen und Heraklion. Im Herbst 2016 beendeten 61 Auszubildende, im Herbst 2017 82 erfolgreich ihre 3-jährige Ausbildung. Auf Grundlage eines ministeriellen Erlasses konnten die Absolventen seit Frühjahr 2017 auch eine staatliche Prüfung ablegen. Auch die Finanzierung des dritten Ausbildungsjahres wurde vom BMBF abgesichert. Hierzu hat das ehem. BMBF MENDI bis Ende August 2018 gefördert. Ergebnisse fließen in aktuelle Projektaktivitäten ein.