Länderkooperationen

Indien

Die deutsch-indische Zusammenarbeit in der Berufsbildung setzt wertvolle Impulse für Reformen in Indien.

Werkstatt in Indien

Annette Münzenberg

In der deutsch-indischen Bildungskooperation werden zwei Hauptziele verfolgt: Zum einen soll das bereits bestehende staatliche System der Berufsbildung in Indien gestärkt werden. Zum anderen möchte Deutschland unter der Federführung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) die indische Seite dabei unterstützen, „duale“ Elemente in der Berufsbildung einzurichten.
Junge Menschen in Indien sollen ihre Berufe ineinandergreifend theoretisch und praktisch – durch die begleitete Arbeit in Betrieben – erlernen und so mehr Wissen und Erfahrung sammeln. Das kommt nicht nur den Auszubildenden selbst, sondern auch den Firmen zugute; den indischen wie den in Indien produzierenden deutschen Firmen. Letztlich profitiert die gesamte indische Gesellschaft von der Initiative, weil hierdurch die hohe Jugendarbeitslosigkeit und der bestehenden Fachkräftemangel verringert werden kann.

Grundlage der Kooperation

Die Grundlage für die Kooperation bildet eine gemeinsame Absichtserklärung aus dem Jahr 2011 in ihrer Fassung vom Oktober 2015. Von indischer Seite wurde sie von dem Ministry of Skill Development and Entrepreneurship (MSDE) abgeschlossen, das die Berufsbildungsaktivitäten zahlreicher indischer Ressorts zusammenführt. Auf deutscher Seite zeichnen das BMBF und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) verantwortlich. Die Laufzeit betrug drei Jahre. Darüber hinaus gründet die aktuelle Zusammenarbeit auf dem Abschluss zweier handlungsfeldspezifischer Absichtserklärungen, die im Rahmen der deutsch-indischen Regierungskonsultationen im Mai 2017 in Berlin abgeschlossen wurden.

VETnet

Im Rahmen des VETnet-Projektes – organisiert über die Außenhandelskammer in Pune (Maharashtra) – werden „duale“ Ausbildungselemente nach den Bedürfnissen der indischen Wirtschaft erarbeitet und erprobt.

In Seminaren und Fortbildungen sollen zunächst die zukünftigen Prüferinnen und Prüfer geschult werden. Sie lernen, auf welche Besonderheiten Deutschland in seiner Berufsbildung achtet und erfahren, wie deutsche Auszubildende geprüft werden. Auf diese Weise können die Beteiligten gut einschätzen, welche Elemente der deutschen Prüfungsstrukturen und -abläufe auch für das indische Ausbildungssystem interessant und förderlich sein könnten.

Besonders wichtig sind auch die über das VETnet entwickelten, marktangepassten Lehrpläne. Auf die Wirtschaft abgestimmte Curricula sind Voraussetzung für eine gute Berufsbildung, da sie den Auszubildenden ermöglichen, tatsächlich benötigtes Fachwissen zu erlernen. So können sie sich nach der Ausbildung in ihren jeweiligen Berufen bestmöglich einbringen.

Ein VET-Rat ist an der Außenhandelskammer in Pune angesiedelt. Er hat sich zum Ziel gesetzt, den Blickwinkel von indischen Unternehmen und ihren Vorständen zu verändern. Wenn sich eine andere Auffassung von Berufsbildung festigen soll, ist ein Umdenken auf mehreren Ebenen notwendig. Meetings, Kongresse und Schulungen dienen nicht nur als Informations- und Abstimmungskanäle, sondern auch der Pflege von neu aufgebauten Netzwerken.

Industriecluster

In Industrieclustern, die in den Bundesstaaten Uttar Pradesh und Rajasthan im Norden Indiens angesiedelt sind, werden duale Ansätze in mehreren Betrieben gebündelt. Hierdurch können auch kleinere und mittlere Unternehmen von den aktuellen Entwicklungen in der Berufsbildung profitieren, die sich die Ausbildung von Jugendlichen sonst gar nicht, oder nur in sehr begrenzter Form leisten könnten. Das BMBF beabsichtigt hier ein flankierendes Pilotprojekt zu fördern.