Länderkooperationen

Griechenland

Deutschland unterstützt Griechenland bei der Einführung einer Berufsbildungsstruktur, die auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes abgestimmt ist

Unterzeichnung des Kooperationsvertrags

Dimitrios Baxevanakis, damaliger Vizeminister für Bildung in Griechenland, und Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, haben im Februar 2017 den neuen deutsch-griechischen Kooperationsvertrag zur Berufsbildungszusammenarbeit unterzeichnet.

BMBF

Die Kooperation wird auf deutscher Seite vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und auf griechischer Seite vom dortigen Bildungsministerium getragen. Griechenland strebt künftig eine stärker betriebsorientierte Ausbildung an. Hierfür werden wichtige Akteure aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Bildungsverwaltung, sowie Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter zusammengebracht.

Grundlage der Kooperation

Im Dezember 2012 haben der damalige Vizeminister für Bildung Papatheodorou und der Parlamentarische Staatssekretär Rachel auf einer Ministerkonferenz in Berlin den deutsch-griechischen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Darüber hinaus ermöglicht ein bilaterales Memorandum of Understanding, das im Februar 2017 mit einer Laufzeit von vier Jahren erneuert wurde, die gemeinsame Arbeit. Seither fördert das BMBF Initiativen und Projekte, die innovative Beiträge zu den griechischen Reformvorhaben in der Berufsbildung leisten.

MENDI
 

Das deutsch-griechische Pilotprojekt der betrieblichen Erstausbildung MENDI (Mentoring Dual International) lag in der Wachstumsbranche Tourismus und hat exemplarisch gezeigt, dass sich Jugendliche durch arbeitsplatzorientiertes Lernen während ihrer Ausbildung in späteren Anstellungen deutlich besser einbringen können. Für das Projekt hat die DEKRA Akademie in Kooperation mit der TUI-Tochter Robinson Club und der Deutsch-Griechischen Industrie- und Handelskammer (DGIHK) mit Sitz in Athen Ausbildungsgänge nach deutschem Vorbild aufgebaut.

An den Standorten Athen, Heraklion und auf der Insel Kreta wurden von 2013–2016 betriebsorientierte Ausbildungen in den Berufen Koch/Köchin, Restaurantfachkraft und Hotelfachkraft durchgeführt. Daraufhin konnten im Herbst 2016 insgesamt 61 Auszubildende ihre dreijährige Ausbildung erfolgreich beenden. Im Folgejahr haben sogar 94 Azubis – eine ungewöhnlich hohe Anzahl – mit Hilfe von weiteren Mitteln aus dem BMBF ihre Ausbildung abgeschlossen. Üblicherweise werden in Griechenland betriebliche Situationen nur in Berufsbildungszentren, also in sehr theoretisch geprägter Form, simuliert. Mit der betriebsorientierten Ausbildung hatten die Jugendlichen nun die Gelegenheit, ihren Beruf in wirklichen Alltagssituationen, mit all den tatsächlichen Herausforderungen, die der jeweilige Ausbildungsgang in sich birgt, zu erleben. Eine Weiterführung des Projektes erfolgte bis August 2018.

VETnet
 

Ziel des DIHK-VETnet-Projektes ist die Entwicklung von dualen Elementen in der Berufsbildung und die Vorbereitung von vorbildhaften Ausbildungsgängen, die auf die Bedürfnisse der Unternehmen abgestimmt sind. Das BMBF fördert das an der Deutsch-Griechischen Außenhandelskammer (AHK) in Athen angesiedelte Projekt mit 90 Prozent des Finanzvolumens.

Nach der Auswahl von geeigneten Unternehmen werden gemeinsam mit den Betrieben Lehrpläne entwickelt, die sich auf die Berufsbilder Kfz-Mechatroniker/in, Elektroniker/in für Geräte und Systeme sowie Industriekauffrau/kaufmann beziehen. Eine gestärkte Zusammenarbeit mit der griechischen Arbeitsagentur (OAED) ist hierfür unerlässlich. Die Übertragung von erfolgreichen Handlungsansätzen auf weitere Berufsfelder wird derzeit geprüft.

UNIONS4VET
 

Das Strategieprojekt UNIONS4VET baut in all jenen EU-Ländern, in denen BMBF-Initiativen zur Berufsbildungszusammenarbeit bestehen, eine Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften auf. UNIONS4VET stärkt außerdem die Rolle der Arbeitnehmerorganisationen. Diese Maßnahmen sind wichtig für ein vertrauensvolles und kooperatives Miteinander, das konstruktive Beiträge von allen Beteiligten berücksichtigt und auch einfordert, um die angestrebten Bildungsreformen voranzubringen.

GRAEDUCATION
 

Lange Zeit begegneten griechische Jugendliche Ausbildungsberufen mit Vorbehalt. Die Sorge vor besonders langen Arbeitszeiten bei schlechter Bezahlung war groß. Inzwischen gelangt die betriebliche Ausbildung aber aus ihrem Schattendasein und der hohen Jugendarbeitslosenquote von knapp 40 Prozent kann entgegengetreten werden. Von diesem allgemeinen Wandel profitieren auch die früher eher unbeliebten umwelttechnischen Berufe, weil sie in ihrer neuen Ausrichtung als modern, technisch, umweltschützend und damit als wichtig empfunden werden.

Das Verbundprojekt GRAEDUCATION setzt genau an diesem Punkt an und entwickelt Bildungsdienstleistungen, die umwelttechnische Berufe modern machen. Die Erarbeitung von strukturierten Konzepten und Lehrplänen, die die umweltfreundliche Ausrichtung der Berufe im Auge behalten, ist dabei ebenso wichtig, wie eine Verbesserung der Berufswahlorientierung. Ziel ist es, die gesellschaftliche Wertschätzung der beruflichen Bildung in Griechenland zu verändern und Qualifizierungsangebote für junge Erwachsene zu schaffen.

Gemeinsam mit der griechischen Arbeitsagentur (OAED) wird nun zum Beispiel das Berufsbild der Elektrofachkraft überarbeitet und mit Qualifizierungsmodulen in den Bereichen erneuerbare Energietechnik und Gebäudeautomation/„Smart Home“ ergänzt. Dadurch entsteht ein völlig neues Ausbildungskonzept für das zunächst griechische Trainerinnen und Trainer ausgebildet werden. Die eigentliche Ausbildung für das neue Berufsbild kann erst danach, gegen Ende des Jahres 2018, starten.

Weiterhin haben 250 griechische Schülerinnen und Schüler auf Veranstaltungen zur Berufswahlorientierung mit Umwelttechnologien, unter anderem in App-basierten virtuellen Umgebungen, experimentiert. Auf diese Weise soll das Interesse für umwelttechnische Berufe geweckt werden.

Die kontinuierliche Einbindung von griechischen Unternehmen in die Projektentwicklung garantiert eine Kommunikation auf Augenhöhe mit allen wichtigen Institutionen. Damit sich die konzeptionellen Überlegungen auch dauerhaft verfestigen können, wurde ein deutsch-griechisches Experimentierzentrum ins Leben gerufen.

Machbarkeitsstudien

Zwischen Dezember 2013 und April 2014 unterstützte das BMBF fünf Machbarkeitsstudien zur Einführung von dualen Elementen der griechischen Berufsbildung, die über die Zentralstelle für internationale Berufsbildungskooperation (GOVET) im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) realisiert wurden. Deutsche und griechische Projektpartner haben hierbei konkrete Vorschläge zur Umsetzbarkeit von betrieblichen Ausbildungsmodellen in verschiedenen Branchen und Regionen in Griechenland erarbeitet. Die Vorschläge basieren auf den griechischen Rahmenbedingungen, in die die Erfahrungen mit dem dualen Berufsbildungssystem aus Deutschland konkret einfließen.

2016 prüfte eine sechste Machbarkeitsstudie an der AHK über die Laufzeit von einem Jahr, ob eine betriebliche Berufsausbildung auch in der griechischen Landwirtschaft sinnvoll sein könnte.