Länderkooperationen

China

In China besteht großes Interesse am deutschen Berufsbildungssystem. Deshalb fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung Projekte, in denen betriebliche Ausbildung auf Provinzebene erprobt wird.

Bundesbildungsministerin Karliczek und ihr Amtskollege Chen Baosheng

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek empfängt am Rande der deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen ihren Amtskollegen Chen Baosheng zu einem bilateralen Gespräch.

BMBF/Hans-Joachim Rickel

Die internationale Bedeutung Chinas nimmt stetig zu und Deutschland arbeitet in vielen Bereichen mit der Volksrepublik zusammen. In China hat sich das Berufsbildungssystem in den vergangenen Jahren mehreren Reformprozessen unterzogen. Von Beginn an gab es großes Interesse daran, von der dualen Berufsausbildung in Deutschland zu lernen. Viele Provinzen fragen Kooperationen im Bereich der Erstausbildung an. Außerdem interessiert sich China auch für Aufstiegsfortbildungen/Weiterbildungen und das duale Studium. Im Berufsbildungsbereich hat sich ein reger Austausch zum Thema „Industrie 4.0“ und dem chinesischen Äquivalent „Made in China 2025“ etabliert. BMBF und das chinesische Partnerministerium haben sich darauf verständigt, ausgewählte Rektoren und Lehrkräfte von anwendungsorientierten Hochschulen, Berufshochschulen (Colleges) und Berufsmittelschulen in China ab 2019 im Rahmen von Weiterbildungen nach Deutschland zu entsenden. Hier unterstützt der Arbeitsbereich der Abteilung "Berufsbildung International" im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) „iMOVE“ den Matching – Prozess.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt darüber hinaus den Aufbau von China-Kompetenz in Deutschland. Dazu gehören vor allem die Förderung von Sprachkenntnissen aber auch von Landeskenntnissen sowie interkulturelle Kompetenzen. Im vergangenen Jahr wurden dazu gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt und der Kultusministerkonferenz mehrere Initiativen an Schulen, Hochschulen, in der Berufsbildung und Wirtschaft ins Leben gerufen.

Über die Förderrichtlinie „Internationalisierung der Berufsbildung“ fördert das BMBF marktorientierte Berufsbildungsprojekte, wie zum Beispiel die Entwicklung einer nach modernen logistischen Standards ausgerichteten Ausbildung zum Hafenarbeiter oder die Entwicklung von Lerndienstleistungen für den Bereich der intelligenten, industriellen Fertigung. Darüber hinaus fördert das BMBF auch die internationale Berufsbildungsforschung. In diesem Schwerpunkt bestehen in und mit China aktuell zwei Projekte: das Projekt „efach“ beschäftigt sich mit der Evaluation bisheriger Kooperationsansätze in der deutsch-chinesischen Berufsbildungszusammenarbeit und das Projekt „CodeVET“ erforscht didaktische Ansätze in der Berufsbildung in China und Russland.

Grundlage der Kooperation

Die Priorität, die China auf das Thema Bildung legt, drückte sich bereits auf den ersten Deutsch-Chinesischen Regierungskonsultationen aus, die vom 27. bis 28. Juni 2011 in Berlin stattfanden. Hierbei unterzeichneten das BMBF und das chinesische Ministerium für Bildung (MoE) zwei gemeinsame Erklärungen zu Bildungsfragen – eine davon zur Kooperation in der Berufsbildung. Seit 2016 besteht zudem die „Leitungsgruppe für Bildung“, die einen deutsch-chinesischen Austausch in der Hochschul- und Berufsbildung ermöglicht. Aktuelle Grundlage der Kooperation ist eine Gemeinsame Absichtserklärung vom 9.07.2018 zur Vertiefung der Zusammenarbeit im Bereich Hochschule und Berufsbildung.

VETnet

Ein Erfolgsbeispiel ist das Projekt VETnet, das an die deutsche Auslandshandelskammer (AHK) in Shanghai angebunden ist. Im Rahmen des Projektes hat Deutschland fünf Jahre lang chinesische Betriebe dabei unterstützt, Partnerschaften mit Schulen zu schließen und duale Ausbildungsprojekte in fast 60 Unternehmen der produzierenden Industrie in verschiedenen Regionen Chinas mit aufzubauen. Weiterhin haben die beiden Länder an der Errichtung von Berufsbildungs- und Prüfungsausschüssen in den Bereichen Mechatronik, Industriemechanik, Logistik sowie Brauerei und Mälzerei gearbeitet.

KoLeArn

Für den Einsatz von modernen Technologien müssen Fachkräfte gut ausgebildet sein oder – angepasst an den jeweiligen Bedarf – weitergebildet werden. Noch mangelt es aber sowohl an fachlich gut ausgebildeten Arbeitskräften als auch an geeigneten Weiterbildungsdienstleistungen für Fachkräfte in China. Deshalb werden in dem Verbundprojekt KoLeArn digitale und arbeitsprozessorientierte Lernangebote entwickelt, die vor allem in der chinesischen Industrie gewinnbringend eingesetzt werden können.

Die derzeitigen Lerndienstleistungen richten sich in erster Linie an nicht akademische Fachkräfte, die komplexes Fachwissen im Arbeitsprozess der industriellen Fertigung benötigen, sich aber oft durch unterschiedlich großes Vorwissen auszeichnen. Kontextuelle und individuelle Faktoren werden in den Lernprozess, der in den Arbeitsalltag integriert sein soll, mit einbezogen. So können sich Fachkräfte langfristig besser qualifizieren. Zugleich wird der Bedarf der in China angesiedelten deutschen Unternehmen an nachhaltigen und arbeitsprozessorientierten Lernangeboten gedeckt.

KoLeArn verfolgt insbesondere folgende Teilziele:

  • Die Identifizierung relevanter Individualisierungs- und Kontextfaktoren für das Lernen
  • Eine prototypische Umsetzung von digitalen Lernangeboten im Rahmen von Dienstleistungssystemen
  • Die Entwicklung eines Geschäftsmodells für Lerndienstleistungen

Eine praxisorientierte Anforderungsanalyse ist grundlegend für das Projekt. Erst danach können Lerndienstleistungen bedarfsorientiert entwickelt werden und die zumeist digitalen Lernangebote unkompliziert in die Aus- und Weiterbildung der Unternehmen einfließen.

Mehrere Pilotierungspartner in China tragen die Entwicklung in die Praxis und der daraus entstehende Nutzen wird fortlaufend wissenschaftlich evaluiert.

transPORT

Mit dem Projekt transPORT wird eine Erstausbildung zur Fachkraft für Hafenbetrieb und Transport (FHT) in China entwickelt. An die Konzeption der Ausbildung schließt sich auch deren Ersterprobung in Pilotklassen an einem College der höheren Berufsbildung sowie eine formative Evaluation an.

Neben der Konzeption, Einrichtung und Erprobung der dreijährigen Erstausbildung erfolgt eine inhaltliche Erschließung des zu entwickelnden Ausbildungsberufsbildes. Hierfür war eine vorangehende Arbeitsprozess- und Bildungsbedarfsanalyse in Trendunternehmen der chinesischen Hafenwirtschaft nötig, die sich auf die Erfassung des aktuellen Qualifikationsniveaus und der -bedarfe gewerblich-technischer Facharbeiterinnen und Facharbeiter konzentrierte. Zudem wurden relevante Arbeits- und Geschäftsprozesse untersucht und daraus berufliche Standards abgeleitet. Parallel sind am Partnercollege Lehrplan- und Curriculumanalysen entstanden.

Nach der Zusammenführung der Rechercheergebnisse erfolgt derzeit die eigentliche Entwicklung des Ausbildungsberufsbildes zur FHT, indem die beruflichen Standards gekennzeichnet, die berufspraktische Problemstellung umrissen und die berufsrelevanten Kompetenzen festgesetzt werden. In Kooperation mit den chinesischen Umsetzungspartnern wird ein „Kompetenzzentrum Hafenwirtschaft“ aufgebaut werden, das auch zukünftig die kontinuierliche Fortführung der Aus- und Weiterbildungsaktivitäten der Verbundpartner in China sicherstellt.

Eine mehrsprachige Homepage soll die Entwicklung von Bildungsprodukten für den chinesischen Markt künftig frühzeitig aktivieren.

Landwirtschaftliches Bildungszentrum Jiangxi ­(LBZ-JX)

Das Projekt LBZ-JX unterstützt örtliche Partnerinnen und Partner bei dem Aufbau eines landwirtschaftlichen Berufsbildungszentrums (LBZ) in der chinesischen Provinz Jiangxi nach dem Vorbild von Landwirtschaftlichen Bildungszentren in Deutschland. Diese führen überbetriebliche Aus- und Weiterbildungen und Ausbilder- und Lehrerfortbildungen in eigenen landwirtschaftlichen Musterbetrieben durch und erbringen gleichzeitig umfassende Beratungs- und Entwicklungsleistungen für die Landwirtschaft.

Mit einem LBZ in China entsteht eine in der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit neuartige Plattform, auf der die Vorteile der dualen Berufsbildung lebendig demonstriert werden und die es deutschen Bildungsanbietern ermöglicht, sich und ihre Leistungen langfristig einzubringen. Noch verbinden Ausbildungsstrukturen für landwirtschaftliche Berufe in China so gut wie nie theoretische und praktische Kenntnisse. Ein LBZ bietet nun die Chance, die chinesischen Betriebe vom Nutzen einer umfassenden dualen Ausbildung ihrer Mitarbeiter zu überzeugen. Dazu gehört auch die Aufwertung und positive Darstellung des Berufsbildes mithilfe von nach deutschen Standards ausgebildeten landwirtschaftlichen Arbeitskräften.

Das Projekt wird zugleich den Exportinteressen der deutschen Anbieter von beruflicher Bildung sowie von Unternehmen zum Beispiel aus den Fachbereichen Genetik und Stalltechnik oder Futtermittel- oder Saatgutproduktion entgegenkommen und ihnen den Zugang zu einer langfristigen und nachhaltigen Präsenz auf dem chinesischen Markt eröffnen.

iMove

Auch das iMOVE-Büro China wird über die AHK in Shanghai geführt. iMOVE ist eine Initiative, die deutsche Bildungsdienstleister dabei unterstützt, international Fuß zu fassen. China bietet dafür weltweit den wichtigsten Markt. So sind zum Beispiel deutsche Bildungsanbieter in der Weiterbildung von Berufsbildungspersonal in der Volksrepublik aktiv.

INWICA

Das Vorhaben INWICA zielt darauf ab, für Beschäftigte in deutschen Produktionsunternehmen mit Standort in China ein Angebot zu einer bedarfsorientierten zertifizierten Weiterbildung zu konzipieren. Diese soll in die Weiterbildungslandschaft der Region Shanghai als auch darüber hinaus nachhaltig implementiert werden. Das Qualifizierungsportfolio ist angelehnt an das deutsche Berufsbild des 'Industriemeisters' sowie die Entwicklung einer Ausbildung zur „Fachkraft Industrie 4.0“. Für den Vertrieb des Bildungsangebots nach der geförderten Projektlaufzeit wird im Partnernetzwerk ein Betreibermodell entwickelt. Deutsche Partner sind das Fraunhofer IAO, die Vitero GmbH, das Winkler Bildungszentrum sowie das Karlsruher Institut für Technologie und das IBB Institut für Berufliche Bildung.   

efach

Das Projekt „efach“ des Lehrstuhls für Soziologie (Centrum für Evaluation – CEval) der Universität des Saarlandes hat zum Ziel, Faktoren für eine erfolgreiche Zusammenarbeit im Bereich Berufsbildung mit der Volksrepublik China zu erforschen. Dazu werden staatliche, zivilgesellschaftliche und privatwirtschaftliche Berufsbildungsmaßnahmen untersucht um bisherige Forschungsarbeiten zu diesem Thema zu aktualisieren und zu erweitern um die Einflüsse unterschiedlicher Kooperationsansätze. Vorhandene Evaluationen in diesen Themenfeld beziehen sich überwiegend auf Ansätze der Entwicklungszusammenarbeit. So soll eine Bestandsaufnahme der gesamten Berufsbildungszusammenarbeit mit China über einen längeren Zeitraum betrachtet geliefert werden. Im Ergebnis werden allgemeine Handlungsempfehlungen erarbeitet und Best-Practice Beispiele herausgestellt, die sich an die Berufsbildungsforschung aber auch an politische und privatwirtschaftliche Akteure richten.

CodeVET

Das Projekt „CodeVET“ zielt auf die Erforschung der didaktischen Gestaltung von Berufsbildung in Schule und Betrieb in China und Russland. Dabei wird untersucht, in welchem Maße Kompetenzorientierung in den Curricula und in der Unterrichtspraxis eine Rolle spielt. Die didaktische Ausgestaltung von beruflicher Bildung im internationalen Kontext ist bislang wenig erforscht, eine Vielzahl von Forschungsarbeiten beschäftigt sich bislang mit dem Vergleich von Systemen und Strukturen beruflicher Bildung.