Grundlagen

Strategie der Bundesregierung

Die Bundesregierung sieht ein vitales Interesse des Landes an der Internationalisierung der Berufsbildung. Ein hohes Qualifizierungsniveau stärkt die Wettbewerbsfähigkeit, trägt zu sozialem Frieden und zur Absicherung vor wirtschaftlichen Krisen bei.

Bundeskanzleramt in Berlin

Die Bundesregierung setzt sich mit europäischen und internationalen Partnerländern für die Modernisierung der Berufsbildungssysteme ein.

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Deutschlands duales Berufsbildungssystem gilt weltweit als Vorbild. Viele Staaten in Europa und weltweit interessieren sich für die deutschen Erfahrungen in der beruflichen Ausbildung und deutsches Know-how. Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise hat dieses Interesse erheblich zugenommen. Die ökonomischen Krisen seit 2008 haben beispielweise in einigen europäischen Ländern zu erheblichen Verwerfungen auf den Arbeitsmärkten und hoher Jugendarbeitslosigkeit geführt. Die Bundesregierung setzt sich mit ihren europäischen und internationalen Partnerländern für die Stärkung der Jugendbeschäftigung und die Modernisierung der Berufsbildungssysteme ein. Dabei kommt der Steigerung der Mobilität der Auszubildenden innerhalb Europas große Bedeutung zu.

Gut ausgebildete Fachkräfte sind aber auch eine Erfolgsbedingung für das Engagement deutscher Unternehmen im Ausland. Sie sind mit Niederlassungen, Tochtergesellschaften oder Joint Ventures im Ausland aktiv und stellen vielerorts einen Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften fest. Zugleich kann der Zugang zu Auslandsmärkten für deutsche Dienstleistungen und Produkte nur gelingen, wenn die Arbeitsmärkte vor Ort die erforderlichen beruflichen Fähigkeiten für Produktion, Vertrieb, Beratung und Wartung mitbringen. Hier bietet sich deutschen Bildungsanbietern eine Chance zum Eintritt in einen Auslandsmarkt sowie bei der Entwicklung nachhaltiger Qualifizierungsangebote, die mit der Projektförderung in der Internationalisierung der Berufsbildung unterstützt wird, mitzuwirken.

Stärken des deutschen Berufsbildungssystems

Die Bundesregierung stützt sich bei ihren Kooperationen mit internationalen Partnern auf die Stärken des deutschen Berufsbildungssystems, die in den folgenden fünf Kernprinzipien zusammengefasst sind. Die Übertragbarkeit einzelner Elemente in andere Länder und Regionen richtet sich nach den Gegebenheiten vor Ort.

Zusammenarbeit zwischen den Sozialpartnern, Unternehmen und dem Staat

Staat, Sozialpartner (Gewerkschaften, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände) und Unternehmen verabreden in Deutschland gemeinsam die Rahmenbedingungen der Berufsbildung: beginnend bei der anteiligen Finanzierung über die Entwicklung und laufende Aktualisierung der Lehr- und Lerninhalte und ihrer Implementierung bis hin zur Prüfung und Zertifizierung der erworbenen Erkenntnisse. Die gemeinsame Verantwortung für die koordinierte Steuerung der dualen Berufsbildung stellt sicher, dass alle Akteure entsprechend ihrer Kompetenzen und Interessen am Berufsbildungsdialog auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene beteiligt sind.

Lernen im Arbeitsprozess

Die berufliche Bildung in Deutschland basiert auf dem Lernen in Betriebsstrukturen und im Prozess der Arbeit. Umfangreiche betriebliche Arbeitserfahrungen nehmen mindestens 50 Prozent der Ausbildungszeit in Anspruch. In Schulen und im Betrieb werden diese Arbeitserfahrungen reflektiert und bilden die wesentliche Grundlage des beruflichen Lernens und beruflicher Entwicklung. Die Auszubildenden erhalten dabei die Fähigkeit und Bereitschaft, ihre erworbenen Fertigkeiten und Kenntnisse sowie persönliche, soziale und methodische Fähigkeiten in Arbeits- oder Lehrsituationen für die berufliche oder persönliche Entwicklung zu nutzen. Grundlage bildet ein übergreifender Berufsbildungsplan mit aufeinander abgestimmten betrieblichen Ausbildungsordnungen und schulischen Lehrplänen.

Nationale Standards

Vergleichbare Ausbildungsabschlüsse und Zertifikate garantieren eine nachhaltige Beschäftigung sowie gesellschaftliche Akzeptanz. Darüber hinaus ermöglichen die einheitlichen Abschlüsse und Ausbildungszeiten den Beschäftigten eine hohe berufliche Mobilität. Die betriebsübergreifenden Berufs,- Ausbildungs- und Prüfungsstandards garantieren die geforderte Qualität der Abschlüsse.

Qualifiziertes Bildungspersonal

Nur ein hochqualifiziertes Berufsbildungspersonal sichert die nötige Qualität der Ausbildung und stößt Veränderungs- und Modernisierungsprozesse an. Ein nachhaltiges Berufsbildungssystem benötigt daher Ausbilderinnen und Ausbilder in den Betrieben beziehungsweise Lehrerinnen und Lehrer, die über die entsprechenden fachlichen sowie pädagogischen Kompetenzen verfügen.

Institutionalisierte Berufsbildungsforschung und -beratung

Technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung erfordern eine stetige Anpassung der Berufsbildung. Hierfür sind Berufsbildungs- und Arbeitsmarktforschung eine unverzichtbare Grundlage. Berufsinformationen und Berufsberatungssysteme sind eine bedeutende Hilfe bei der Entscheidung bezüglich der Berufswahl und der anzustrebenden Qualifizierung und fördern somit die Mobilität und langfristige Beschäftigungsfähigkeit.

Strategische Ziele der Bundesregierung

Die Bundesregierung unterstützt daher auf Nachfrage die Stärkung von kooperativen und betrieblichen Elementen in den Berufsbildungssystemen der Partnerländer Deutschlands. Dabei verfolgt die Bundesregierung unter anderem folgende Ziele:

  • Steigende Beschäftigung junger Erwachsener durch betriebsintegrierte Ausbildung, insbesondere in der Europäischen Union;
  • Transfer von Know-how und Beratung von Regierungen und Sozialpartnern im Ausland;
  • Deckung des Fachkräftebedarfs deutscher Unternehmen im In- und Ausland;
  • Unterstützung deutscher Aus- und Weiterbildungsdienstleistungen im Ausland;
  • Internationalisierung der Aus- und Weiterbildung sowie Aufstiegsfortbildung, um den Anforderungen an Fachkräfte in einer globalisierten Wirtschaft gerecht zu werden;
  • Einführung ganzheitlicher Berufsbildung in Ländern der Entwicklungszusammenarbeit als Motor für Wachstum und Beschäftigung;
  • Entstehen neuer Kooperationen in weiteren Themengebieten auf Basis des vertrauensvollen und zielorientierten Dialogs im Bereich der Berufsbildung.

Akteure und Maßnahmen

Zum Erreichen dieser Ziele arbeiten in Deutschland verschiedene Ministerien, Behörden, Gewerkschaften und Verbände zusammen, um passende Lösungen aus einer Hand zu bieten. Die Federführung bei der internationalen Berufsbildungskooperation liegt beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Darüber hinaus implementieren weitere Ministerien, wie beispielweise das Bundesministerium für Gesundheit oder das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, internationale Berufsbildungsaktivitäten in ihrem Zuständigkeitsbereich.

Im Ausland sind neben den Auslandshandelskammern auch die Auslandsvertretungen mit Anfragen zur beruflichen Bildungszusammenarbeit konfrontiert. Im Bereich der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit sind vor allem die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und die KfW Entwicklungsbank (Kreditanstalt für Wiederaufbau) aktiv. Eine zentrale Koordinierungsrolle in Deutschland übernimmt das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), in dem auch die Zentralstelle der Bundesregierung für internationale Berufsbildungskooperation (GOVET) angesiedelt ist. Der DLR Projektträger übernimmt im Auftrag des BMBF Aufgaben in der Projektförderung und unterstützt das BMBF bei der Weiterentwicklung und Umsetzung der Strategie der Bundesregierung zur internationalen Berufsbildungszusammenarbeit aus einer Hand.

"Runder Tisch" für Internationale Berufsbildungszusammenarbeit

Der "Runde Tisch" dient der Verständigung über die strategische Ausrichtung der Berufsbildungskooperationen der Bundesregierung. Die Mitglieder tauschen sich zu neuen Projekten und Programmen aus; sie beraten und stimmen sich zu neu abzuschließenden Kooperationsvereinbarungen mit den Partnerländern ab. Die Mitglieder kommen aus den beteiligten Bundesministerien und den im Verantwortungsbereich der jeweiligen Ressorts tätigen Organisationen. Am "Runden Tisch" nehmen die beteiligten Bundesministerien und ihre Durchführungsorganisationen sowie Vertreterinnen und Vertreter der Bundesländer, der Sozialpartner und der Bildungswirtschaft teil. Das Gremium tagt regelmäßig in unterschiedlichen Konstellationen (Staatssekretärsebene, Arbeitsebene, Ressortkreis).